Kritik an Schulen und Kitas nach dem Orkantief Friederike

Heiko Kaiser

Symbol der Zerstörung: An einem ländlich gelegenen Haus im Borgholzhausener Ortsteil Casum stürzte die etwa 20 Meter hohe Tanne auf den Hof, beschädigte das Gebäude leicht und begrub einen Fiat Panda unter sich. Die Feuerwehr und ein Spezialunternehmen entfernten die Reste des Riesen. - © Foto: David Koster
Symbol der Zerstörung: An einem ländlich gelegenen Haus im Borgholzhausener Ortsteil Casum stürzte die etwa 20 Meter hohe Tanne auf den Hof, beschädigte das Gebäude leicht und begrub einen Fiat Panda unter sich. Die Feuerwehr und ein Spezialunternehmen entfernten die Reste des Riesen. (© Foto: David Koster)

Altkreis Halle. Oder sollten alle besser so lange im Gebäude bleiben, bis der Sturm sich verzogen hat? Diese Fragen beantworteten die Verantwortlichen am Donnerstag ganz unterschiedlich. So war in der PAB-Gesamtschule in Werther und Borgholzhausen für alle Schüler um 12.30 Uhr Schulschluss. Beim CJD-Gymnasium in Versmold endete der Unterricht um 13.15 Uhr. Allerdings war für jene, die bleiben wollten, bis 15.45 Uhr für Betreuung gesorgt.

In Steinhagen hielten Gymnasium und Realschule den normalen Unterricht aufrecht. Realschulleiter Frank Kahrau hielt es sogar für fahrlässig, Schüler komplett nach Hause zu schicken, während es draußen stürmte und ohnehin keine Busse bereitstanden.

Orkantief Friederike erreicht den Altkreis Halle

Vor einem ähnlichen Problem stand der Leiter des Kreisgymnasiums Halle, Markus Spindler. „Ich habe erst um 7.45 Uhr aus dem Internet erfahren, dass das Kultusministerium den Schulen freistellt, an diesem Tag zu schließen. Zu der Zeit aber saßen die meisten Schüler bereits im Unterricht und ein Schulschluss hätte keinen Sinn gemacht, da keine Busse zur Verfügung standen", erklärte der KGH-Direktor. Deshalb endete in Halle der Unterricht um 12.40 Uhr nach der sechsten Stunde. „Da der Höhepunkt des Sturmes erst gegen 15 Uhr sein sollte, hielten wir das für vertretbar. Wer bleiben wollte oder nicht nach Hause kommen konnte, für den war selbstverständlich eine Betreuung da", sagte Spindler.

Vor einer schwierigen Situation stand die Leitung der AWO-Kita in Hesseln. „Mitarbeiterinnen mussten ihre eigenen Kinder aus den Schulen abholen. Außerdem haben wir einige hohe Bäume vor der Kita stehen, bei denen ich mir nicht sicher war, ob sie den Sturm überstehen", sagte Leiterin Anja Schmidt. Daraufhin wurden die Eltern aufgefordert, ihre Kinder abzuholen. Das sorgte für Kritik. „50 Eltern und Großeltern mussten sich zu einem Zeitpunkt, da der Sturm seinen Höhepunkt erreicht hatte, teilweise zu Fuß auf den Weg machen. Unseres Erachtens hätten die Kinder so lange in der Kita bleiben müssen, bis der Sturm abgeschwächt war", erklärten beispielsweise Tanja Quiering und Jörg Magenreuther in einer Mail an das Haller Kreisblatt.

Die AWO-Abteilungsleiterin für Kindereinrichtungen in OWL, Sabine Schubert, hatte um 10.55 Uhr alle Kitas gebeten, mit den Kindern nicht das Außengelände zu nutzen und sich darauf einzustellen, dass eventuell nicht alle Kinder pünktlich abgeholt werden könnten.

Feuerwehr begleitet Kinder übers Feld

Die Anrufe von mindestens 50 Einrichtungen erreichten an diesem Tag die AWO-Zentrale in Bielefeld. Kritisch war es besonders in Werther. Nachdem die Kinder im Waldkindergarten aus der nicht sturmsicheren Blockhütte in die angrenzenden Räumlichkeiten der Waldheimat gebracht worden waren, stürzte zu allem Überfluss ein Baum auf die Zufahrt, so dass der Weg für die abholenden Eltern versperrt war. Die Feuerwehr begleitete die Kinder daraufhin über ein freies Feld zur Straße, wo die Eltern schon auf sie warteten. Friederike war zumindest für die Kleinen also auch spannend.

Info
Polizei und Feuerwehr ziehen Bilanz

  • Die Polizei hatte im Kreis bis 19.30 Uhr am Donnerstagabend 219 Einsätze zu bearbeiten.
  • Überwiegend handelte es sich um Gefahrenstellen durch umgestürzte Bäume, weggewehte Plakate, Bauzäune, Gerüste oder anderes.
  • Acht Ampelanlagen fielen in Gütersloh, Harsewinkel, Herzebrock und Versmold aus; teilweise sind sie bis heute noch nicht in Betrieb. In Harsewinkel fiel der Strom aus, da ein Baum auf eine Stromleitung gestürzt war.
  • Sturmbedingt ereigneten sich weitere 14 Verkehrsunfälle ohne Verletzte, die der Polizei bekannt wurden.
  • 1091 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren im Kreisgebiet bei 962 Einsätzen unterwegs. Drei Kameraden wurden leicht verletzt.
  • Die Übersicht – Borgholzhausen: 32 Einsätze; Gütersloh: 157; Halle: 61; Harsewinkel: 53; Herzebrock-Clarholz: 62; Langenberg: 25; Rheda-Wiedenbrück: 128; Rietberg: 80; Schloß Holte-Stukenbrock: 97; Steinhagen: 76; Verl: 66; Versmold: 100; Werther: 25.

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