Das Ziel: Digitale Medien für alle Schulen

Rolf Uhlemeier

Berufskolleg Halle
Franziska Korbes, Schulleiter Dietmar Hampel, Peter Burkheiser (hinten, von links) sowie vorne: Aileen, Alexandra und Laura-Marie. - © Rolf Uhlemeier
Berufskolleg Halle
Franziska Korbes, Schulleiter Dietmar Hampel, Peter Burkheiser (hinten, von links) sowie vorne: Aileen, Alexandra und Laura-Marie. (© Rolf Uhlemeier)

Halle . „Wir wollen es allen Schülern ermöglichen, im Unterricht mit mobilen Endgeräten arbeiten zu können", sagt Dietmar Hampel. Das ist die Vision, die der Leiter des Haller Berufskollegs zu gern bis Ende 2019 Realität werden lassen würde. Doch ihm ist klar, wie schwer es wird, dieses Ziel zu erreichen.

Als erste Schule im Kreis hatte sich das Berufskolleg vor dreieinhalb Jahren auf den digitalen Weg gemacht und sechs Monate später die erste Klasse des Wirtschaftsgymnasiums mit iPads ausgestattet. „Dank großzügiger Spenden durch die Kreissparkasse Halle und den Schulverein war es möglich, auch den Schülern ein Tablett zur Verfügung zu stellen, die nicht über ein eigenes Gerät verfügten", erinnert sich der Schulleiter. Mittlerweile sind acht Klassen mit den mobilen Endgeräten ausgestattet. Wer nicht über ein Tablett verfügt, dem wird es für drei Jahre zur Verfügung gestellt. „Danach muss es natürlich an die Schule zurückgegeben werden", erklärt Dietmar Hampel.

Zum Ende des laufenden Schuljahres soll nun das Projekt ausgewertet und für die Zukunft sollen die entsprechenden Schlüsse gezogen werden. Es hat sich laut Hampel klar gezeigt, dass es nicht reicht, iPads an die Schüler auszugeben: „Das Ganze muss pädagogisch und didaktisch begleitet werden." Der Schulleiter sieht Tabletts auch nicht als Allheilmittel für einen spannenden Unterricht: „Letztlich sind sie nur Werkzeuge wie Kugelschreiber, Taschenrechner und Sportsachen." Dabei haben die Lehrer am Berufskolleg festgestellt, dass die Schüler hochmotiviert mit den mobilen Endgeräten arbeiten. Ohne ein dahinter liegendes Lernmanagement verfehlen die Tabletts nach Ansicht des Schulleiters allerdings ihren Sinn: „Wir wollen die Schüler medienkompatibel machen und sie dazu bringen, dass sie Inhalte im Netz kritisch beleuchten." Laut Hampel sei es eben auch die Aufgabe von Schule, gesellschaftliche Entwicklungen mit der nötigen Distanz aufzunehmen.

»Lehrkräfte müssen sich der digitalen Entwicklung stellen«

Die Digitalisierung ermöglicht zum Beispiel ein neues Lernkonzept, den »umgedrehten Unterricht« oder auch »flipped classroom«. Dabei werden die Lerninhalte von den Schülern zu Hause erarbeitet. Auswertung und Anwendung erfolgen dann in der Schule. „Dabei erklärt der Lehrer", so der Schulleiter, „den Schülern nicht die Welt, sondern sie sammeln Informationen im Netz und die werden dann im Unterricht vorgestellt und diskutiert."

Bei allen Vorteilen, die digitale Medien im Unterricht bieten, sieht Dietmar Hampel durchaus auch Risiken: „Wir erleben, dass Schüler gerade zu Beginn der Einführung auch abgelenkt werden können – das darf man nicht aus dem Blick verlieren." Zudem müsse da-rauf geachtet werden, dass technische Komponenten wie beispielsweise Grafiken, Tabellen und PowerPoint-Präsentationen nicht die Inhalte dominierten. Auch Kommunikation und Interaktion dürften durch den Einsatz von digitalen Unterrichtsmitteln nicht auf der Strecke bleiben. Hampel: „Man redet weniger miteinander – die Phase der Diskussion, des Austausches und Nachdenkens darf aber nicht verlorengehen."

Derzeit verfügt das Berufskolleg allerdings nicht über die technische Ausstattung, um ein flächendeckendes und leistungsstarkes WLAN-Netz zur Verfügung stellen zu können: „Es fehlt auch die finanzielle Unterstützung für eine technische Administration hier im Haus. Im Moment wird das weitgehend von Peter Burkheiser und Horst Niemeyer, unseren Fachleuten für digitales Lernen, geleistet. Das kann auf Dauer aber nicht so bleiben." Großen Bedarf sieht der Schulleiter auch bei Fortbildungen der Lehrer: „Das muss dringend verbessert werden und auch dafür müssen Mittel bereitgestellt werden. Es reicht nicht aus, nur in die Hardware zu investieren." Das setzt laut Hampel allerdings auch die Bereitschaft der Lehrkräfte voraus, sich der digitalen Entwicklung zu stellen und im Zweifelsfall auch akzeptieren zu können, dass die Schüler hier und da einen Wissensvorsprung haben.

Von der Politik wünscht sich der Haller Schulleiter, dass die versprochenen Mittel auch wirklich bei den Schulen ankommen: „Wir brauchen eine entsprechende Ausstattung und schnelles Internet – ohne wird es nicht gehen."

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

captcha